Finanzkrise trotz ADAC Mitgliederrekord

Automobilclub Veröffentlicht am Geschätzte Lesezeit 4 Minuten, 7 Sekunden

Blog: Finanzkrise trotz ADAC Mitgliederrekord

(Quelle: ADAC)

Mitgliederrekord und rote Zahlen beim ADAC: Obwohl Europas größter Automobilclub in den vergangenen Jahren am laufenden Band Negativschlagzeilen gemacht hat, steigt die Anzahl der Mitglieder Anfang 2017 auf Höchststand. Trotz Mitgliederrekord fallen allerdings die Einnahmen. Über die Vertrauenskrise scheinen sich die Gelben Engel eben erst mit entschlossenen Flügelschlägen erhoben zu haben, da sorgen rote Zahlen für eine finanzielle Krise. Der ADAC Mitgliederrekord liegt mit 19,7 Millionen Autoclubmitgliedern fast eine halbe Million über dem Vorjahresstand. Trotzdem will die Rechnung für den Autoclub offenbar nicht aufgehen. Finanzkrise und rote Zahlen trotz Mitgliederrekord halten böse Zungen für ein Anzeichen unwirtschaftlicher Arbeitsweisen. Was die Finanzkrise des ADAC verursacht hat: Wir spekulieren.

ADAC Mitgliederrekord - beflügelnde Mitgliederzahlen für die Gelben Engel?!

Die Gelben Engel des ADAC befanden sich aufgrund der Vertrauenskrise in den vergangenen Jahren im Sturzflug. Unmittelbar nach den ADAC Finanzskandalen haben sich viele Autoclubmitglieder vom größten Autoclub Europas verabschiedet, um bei billigeren Clubs mit einer transparenteren Kostenaufschlüsselung und überschaubaren Vereinsstrukturen unterzukommen. Rote Zahlen wären zu diesem Zeitpunkt zu erwarten gewesen, aber die Finanzkrise blieb trotz fallender Mitgliederzahlen aus. Ein möglicher Grund: Weniger Mitglieder bedeutet weniger Panneneinsätze.

Anfang 2017 berichtet ADAC Vorsitzender Markl mit annähernd 20 Millionen ADAC Mitgliedern von einem Mitgliederrekord. Obwohl diese Zahlen den Automobilclub eigentlich beflügeln sollten, bleibt die Euphorie aus. Allein im Vorjahr hat der ADAC 1,2 Milliarden Euro an Beiträgen eingenommen. Rote Zahlen machen sich wegen Jahresfehlbeträgen von 26 Millionen Euro trotzdem breit. Je mehr Mitglieder, desto mehr Panneneinsätze. Die Mitgliederbeiträge würden die Clubleistungskosten derzeit nicht decken, so erklärt Vorsitzender Markl gegenüber der FAZ. Kündigt er damit eine Beitragserhöhung an?

ADAC Vorsitzender Markl

(Quelle: ADAC)

ADAC Finanzkrise trotz Höchstbeiträgen

Der ADAC geriet nach der Vertrauenskrise mehrfach für seine hohen Beiträge in die Kritik. Im Direktvergleich mit neuen Autoclubs wie JimDrive galt der Club wegen horrend hohen Kosten und ungebetenen Leistungen wie Clubzeitschriften kaum mehr als konkurrenzfähig. Speziell für Familien sind die Tarife anderer Autoclubs deutlich lohnenswerter, so bestätigt ein Auszug aus der Vergleichstabelle:

  • ADAC: Familien ab 84 Euro pro Jahr | Single ab 49 Euro pro Jahr
  • AvD: Familien ab 64,80 Euro pro Jahr | Single ab 34,90 Euro pro Jahr
  • ACE: Familien ab 62,80 Euro pro Jahr | Single ab 62,80 Euro pro Jahr
  • Mobil in Deutschland: Familien ab 58 Euro pro Jahr | Single ab 28 Euro pro Jahr
  • JimDrive: Familien ab 49,99 Euro pro Jahr | Single ab 29,99 Euro pro Jahr

Allein im Hinblick auf den Young Generation Tarif mit Jahresbeiträgen von 0 Euro bewegt sich der ADAC außerhalb der Konkurrenz anderer Autoclubs. Ob der Young Generation Tarif den ADAC in die roten Zahlen einer Finanzkrise gestürzt hat? In Anbetracht der hohen Allgemeinbeiträge wohl eher nicht. Dass Vorsitzender Markl bei diesen Beitragssätzen trotz oder gerade wegen des Mitgliederrekords die Unmöglichkeit beklagt, alle ADAC Leistungskosten und „allen voran die Pannenhilfe“ über die Beitragseinnahmen zu decken, wirft für ADAC Mitglieder viele Fragen auf. Wohin, wenn nicht in Pannenhilfe, fließt ihr Geld und wie können sich andere Autoclubs bei weniger Mitgliedern und kleineren Beitragssätzen ganz ohne rote Zahlen und Finanzkrise dieselben Hilfsleistungen erlauben?

Vereinsstruktur lässt Gelbe Engel in Finanzkrise abstürzen

Dass der ADAC trotz Mitgliederrekord und Beitragseinnahmen von rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr rote Zahlen und hohe Fehlbeträge schreibt, liegt vermutlich an unwirtschaftlichen Vereinsstrukturen. Ausufernder Vereinscharakter fällt logischerweise immer ins Geld: Verwaltungskosten sind nur der Anfang. Mitglieder und Experten beklagen seit Jahren die Vereinsmeierei im Hause ADAC. Neu-Clubs wie JimDrive versprechen annähernd dieselben Leistungen zu wesentlich geringeren Beitragssätzen. Dass sie sich dieses Prinzip ohne Angst vor roten Zahlen und Finanzkrisen leisten können, liegt an dem Verzicht auf ausufernde Vereinsstruktur. Mitglieder profitieren davon genauso wie der Autoclub selbst. Sie erhalten individuellere Tarife mit genau den Leistungen, die sie auch in Anspruch nehmen.

Fazit: Verzicht auf Vereinsstrukturen könnte den ADAC wiederabheben lassen

Beim ADAC zahlen Mitglieder wegen wenig individuellen Tarifen auch für solche Leistungen, die sie gar nicht nutzen. Dass nicht einmal das den vereinsstrukturellen Kostenaufwand des ADAC mehr zu decken vermag und die Gelben Engel in eine Finanzkrise abstürzen, spricht für die Unwirtschaftlichkeit von groß angelegten Vereinskonzepten. Markl gibt zu, dass der ADAC in Zukunft wesentlich wirtschaftlicher und effizienter mit seinen Geldern umgehen muss, um in der Poleposition zu bleiben. Ob die ADAC Finanzkrise den Verein trotz Mitgliederrekord zur Reduktion des vereinsstrukturellen Charakters bewegen wird, sollte sich im Laufe des Jahres 2017 herausstellen.

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